(c) Katharina Zimmermann
Im Zeit-Raum: Franz-Stefan Gady
Alles auf einen Blick
- Termin:
MI | 23 09 2026 | 18.30 Uhr - Location:
Radiocafe
ORF RadioKulturhaus
Argentinierstraße 30a
1040 Wien - Kartenabholung:
ab 30 Min vor Beginn - Saaleinlass:
ab 15 Min vor Beginn - Preis:
€ 12,- (inkl. USt.) - Veranstaltungsdauer:
ca. 1,5 Stunden
Ist Österreich durch seine militärische Neutralität vor einem Krieg geschützt? "Nein, definitiv nicht", sagt Gady, einer der führenden Militäranalysten im deutsch- und englischsprachigen Raum. In seinem viel diskutierten Buch "Überfall" konkretisiert er die für viele abstrakt wirkende Vorstellung einer militärischen Bedrohung für Österreich. Im Mittelpunkt steht eine Frage, die gerade in Österreich häufig verdrängt wird: Was geschieht, wenn der Krieg tatsächlich zu uns kommt? Mit fundierten geopolitischen Analysen und einem erschreckend plausiblen Szenario zeigt Gady auf, welche Folgen ein bewaffneter Konflikt zwischen Russland und der NATO für ein Land haben könnte, das sich auf seinen Frieden verlässt, ohne ihn ausreichend verteidigen zu können.
Das von ihm entworfene Szenario beginnt nicht mit einem großen Knall, sondern schleichend: Unterseekabel in der Ostsee werden beschädigt, Stromnetze brechen zusammen, russische Kampfjets verletzen den Luftraum eines EU-Mitgliedstaates. Anfang 2029 greift Russland das Baltikum an – und Österreich wird in den Konflikt hineingezogen, weil wichtige Nachschubrouten der NATO über österreichisches Staatsgebiet verlaufen.
Gadys Einschätzung zur Neutralität ist dabei klar und unbequem: Historisch werde Neutralität nur dann respektiert, wenn sie für beide Kriegsparteien von Nutzen sei. Niemand könne daher davon ausgehen, dass sie in einer solchen Situation automatisch geachtet werde. Er erinnert in diesem Zusammenhang an den Kalten Krieg: Die damaligen Planungen des Warschauer Pakts für Österreich hätten auch den Einsatz von Nuklearwaffen umfasst, während gleichzeitig NATO-Aktivitäten auf österreichischem Gebiet vorgesehen gewesen wären.
"Die Neutralität interessiert die derzeitige Führung des Kreml nicht", warnt Gady. Deshalb sei eine offene und sachliche Debatte dringend notwendig. Russland habe seine Produktion von Raketen und Marschflugkörpern seit Beginn der Vollinvasion in die Ukraine um ein Vielfaches gesteigert und ziehe militärische Lehren aus dem laufenden Krieg – Entwicklungen, die das Land auf absehbare Zeit zu einem gefährlichen Gegner machten.
Gadys Buch will keine Panik erzeugen. Vielmehr appelliert es nüchtern an die Vernunft. Es fordert dazu auf, die Realität anzuerkennen und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um den nächsten Krieg zu verhindern – nicht, um einen Krieg heraufzubeschwören, sondern um ihn durch glaubwürdige Abschreckung unmöglich zu machen.
Franz-Stefan Gady, Jahrgang 1982, zählt zu den führenden Militäranalysten im deutsch- und englischsprachigen Raum und bereist regelmäßig die Front in der Ukraine. Er ist Adjunct Senior Fellow am Center for New American Security in Washington. Gady ist Autor des für den Deutschen Sachbuchpreis 2025 sowie den NDR-Sachbuchpreis nominierten Buchs "Die Rückkehr des Krieges" sowie von "How the United States Would Fight China: The Risks of Pursuing a Rapid Victory". Zudem ist er Herausgeber mehrerer militärwissenschaftlicher Publikationen. Der gebürtige Steirer publiziert regelmäßig in der "Kleinen Zeitung", im "Foreign Policy Magazine" sowie in der "Financial Times".